
(Links) Anlaufstelle für männliche Lange: Martina Kruse
und Rainer von Hesse vor dem Fachgeschäft für Übergrößen, Big Boys, in der
Osterstraße.
(Rechts) Maß genommen denn lange Menschen haben es nicht leicht: Klaus-Peter
Bock von Big Boys sucht etwas Passendes für Rainer von Hesse.
(Fotos: Dröse)
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Den Spaß an einem Einkaufsbummel
in Hannover hat Rainer von Hesse verloren. Jedenfalls, wenn er neue Klamotten sucht. Er
weiß, er wird nichts finden, und fährt lieber gleich nach Hamburg. Nicht, weil sein
Geschmack so extravagant ist. Sondern, weil der 31jährige 2,10 Meter lang ist.
Nur wenige Geschäfte bieten in der Leinemetropole Konfektionsgrößen 118 oder 122. »Und
die Sachen passen fast nie, entweder sind die Ärmel zu kurz, oder es sitzt einfach
schlecht«, sagt von Hesse. Außerdem seien sie meist noch mit »gepfefferten Preisen
versehen oder Ladenhüter«. Alternativen? »Gibt es hier nicht, das Angebot ist zu
klein.«
Immerhin finden lange Männer noch Jacken oder Pullover im Fachgeschäft Big Boys, aber
Martina Kruse hat mit ihren 1,92 Meter überhaupt keine Chance in Hannover. »1,80 Meter
sind kein Problem beim Klamottenkauf, 1,85 geht auch noch, aber hier hört es dann auf«,
weiß die 31jährige. Als Zwölfjährige mußte sie mit ihren 1,77 Meter schon in der
Damenabteilung einkaufen, jetzt trifft sie sich an manchem Sonnabend mit anderen
Mitgliedern des Klubs Langer Menschen und fährt nach Hamburg. »Dort gibt's wenigstens
drei Läden für Frauen mit unseren Maßen.«
Allerdings sind die modisch nicht topaktuell. »Meist hinken die Geschäfte eine Saison
hinterher«, klagt Martina Kruse. »Und man muß Schweinepreise bezahlen«, ergänzt
Rainer von Hesse. Für ein Sakko muß er mindestens 700 Mark hinblättern, für eine Jeans
150 Mark, für einen Pullover 200 Mark. Weil das Angebot knapp ist.
»Es gibt nur noch wenige Hersteller, die solche Größen produzieren, dementsprechend
gering ist die Stückzahl.« So hat es von Hesse auch schon oft bei Katalogen erlebt, daß
die angepriesene Ware schon ein Tag später nicht mehr zu haben war.
Allerdings ist der Markt nicht so groß, daß sich mehr Geschäfte heranwagen würden. Ein
Laden in Hannover mit speziellem Angebot für Lange mußte vor einigen Jahren wieder
schließen, und auch für andere Bekleidungsgeschäfte ist das Kundenpotential zu klein.
Der Klub Langer Menschen (Frauen müssen mindestens 1,80 Meter, Männer 1,90 Meter lang
sein) hat derzeit in Hannover 120 Mitglieder und 45 Interessenten.
Die Langen werden mit der Zeit genügsam: »Man senkt seine Ansprüche in puncto Mode
automatisch, man muß sich halt damit arrangieren«, sagt von Hesse. Aber das ärgert ihn
auch gar nicht so. Dann schon eher, daß er nicht vernünftig in einer Telefonzelle stehen
kann. Oder nur schwer ein passendes Auto oder Bett findet. »Manche Verkäufer betrachten
einen gleich wie einen Außerirdischen, für den man eh nichts hat.« |