
Riese am Stock
Wegen seiner Rückenprobleme braucht Alexander Sizonenko beim Gehen einen
Stock. Meist bleibt er in seiner Wohnung, Ehefrau Swetlana (1,74 m) ist dann sein einziger
Kontakt. Auf diesem Foto präsentiert sie Söhnchen Alexander junior (heute vier).
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Alexander Sizonenko
hat heute keinen guten Tag. »Das Kreuz«, sagt er und verzieht sein Gesicht zu
einer schmerzvollen Maske. Der tagelange Sommerregen, der St. Petersburg heimsucht, macht
dem 40jährigen zu schaffen. Müde humpelt er durch seine kleine Dreizimmerwohnung im
Petersburger Arbeiterbezirk Pukowo, duckt den Kopf knapp unter der 2,50 Meter hohen Decke.
Wenn Alexander durch den Türrahmen geht, muß er seinen gebückten Körper noch tiefer
beugen. Bloß nicht anecken, nicht hinfallen wieder aufstehen wäre körperliche
Schwerstarbeit. Alexander Sizonenko ist mit 2,40 Metern der größte Mensch der Welt, ein
wissenschaftliches Institut hat ihn neulich noch vermessen. Im Stehen ist Alexander 229,6
Zentimeter, im Liegen sogar 240 Zentimeter groß. Der Unterschied hängt mit den Wirbeln
zusammen: Beim Aufstehen stauchen sich die Wirbel um elf Zentimeter zusammen. Er benötigt
Schuhe mit Größe 63, hat Kleidergröße 76/78.
Im »Guinness-Buch der Rekorde« stand bis vor einem Monat der Name des Pakistaners
Haji Mohammad Alam Channa er war 2,31 Meter groß und starb im Alter von 42 Jahren
an Nierenversagen. Bis 1985 war Alexander einer der besten Basketballspieler seines Landes,
heute ist er ein schmerzgeplagter Invalide, der von umgerechnet 74 Mark Rente leben muß. Der
Rücken macht ihm zu schaffen, wenn es feucht ist, quetschen die Wirbel die Nervenstränge ein.
»Dann falle ich zusammen wie eine Marionette, deren Fäden durchnitten wurden«.
Auch das Herz hält die Belastungen, die diese Körpergröße mit sich bringt, immer
schlechter aus. Die Knöchel schwellen häufig an, Medikamente gegen die Schmerzen kann er
sich kaum leisten: »Die sind nur noch gegen Rubel zu haben, früher war die Arznei
kostenlos«.
Wenn Alexander aus seinem 2,60 Meter langen Bett einer Spezialanfertigung aus
Deutschland aufsteht, lockert er mit Greifübungen die Hände, massiert sich die
Wangen, Ohren und Nacken, um die Blutzirkulation zu stimulieren. Seine Hände sind doppelt so
groß wie die eines gewöhnlichen Erwachsenen. »Je größer der Mensch ist, desto größer sind
auch seine Probleme«, sagt der Mann mit dem graugewordenen Haarschopf.
Seine Frau Swetlana, die als Maklerin arbeitet, lernte er auf der Straße kennen. Sie wollte
das Autogramm des Ex-Sportlers, er bekam dafür ihre Telefonnummer. 1987 haben die beiden
geheiratet, ihr gemeinsamer Stolz heißt Alexander junior, viereinhalb Jahre alt. »Wenn wir
spazierengehen, kann er aufrecht zwischen meinen Beinen hindurchlaufen«, erzählt der
Papa. Doch auch dieses Glück ist nicht ungetrübt: Bei dem Jungen haben die Ärzte einen
schweren Herzfehler diagnostiziert.

Lufthoheit
Von 1976 bis 1985 war Alexander ein erfolgreicher Basketballer, wurde mit seiner
Mannschaft insgesamt dreimal russischer Meister. Weil er eine Knöchelverletzung
nicht ausheilte, mußte er seine Karriere beenden.
Fotos: Gavrilov/Rufu
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Alexander Sizonenko wuchs mit zwei Brüdern in einem kleinen Dorf in der Ukraine auf.
Schon früh merkte man, daß er schneller als alle anderen in die Höhe schoß: In der ersten
Klasse überragte er seine Kameraden bereits um einen Kopf.
Verläßt Alexander seinen Plattenbau, stützt er sich mühsam auf einen Stock. Die
Aufmerksamkeit fremder Menschen zieht der traurige Riese zwangsläufig auf sich. Bei seinen
seltenen Spaziergängen in der Petersburger City drehen sich alle staunend um. Er wird um
Autogramme und Gruppenfotos gebeten. Einige weichen ihm allerdings auch ängstlich aus, andere
schütteln verächtlich den Kopf, Kinder bekommen große Augen. Seine Größe empfindet er, seitdem
es in den vergangenen Jahren mit der Gesundheit bergab ging, zunehmend als Last. »Sehen Sie
sich die Königsmutter aus dem Buckingham-Palast an«, meint Alexander, »sie ist
98 Jahre alt und kerngesund. Woran liegt das?«
Die Antwort gibt er selbst, er duldet keinen Widerspruch: »Ganz einfach die
Frau ist klein...«
(Artikel mit zwei weiteren Fotos) |