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Die Hünen des Klubs langer Menschen treffen sich im Copthorne-Hotel |
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Leine-Nachrichten, Hannover, 7. Dezember 1998 · Autor: Simon Benne |
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Wo immer Manfred Hißbach auch auftaucht, wird er ungläubig angestarrt. Mit seinen 2,08 Metern Körpergröße überragt er die meisten seiner Mitmenschen um ein bis zwei Köpfe. Im Kino zischt ihm sein Hintermann schon einmal zu, daß er sich doch bitteschön hinsetzen solle. »Ich stehe dann einfach auf und sage ganz souverän, daß ich doch schon sitze«, gibt der Hannoveraner mit süffisantem Lächeln zum besten. Mit Schicksalsgenossen aus dem »Klub langer Menschen« (KLM) einer Mischung aus Selbsthilfegruppe und Freizeitverein traf sich Hißbach am Freitag abend im Copthorne-Hotel zum Billardspielen. Den kürzesten Anfahrtsweg zum allmonatlichen Treffen hatten Karsten und Doris Sickau: Die beiden Laatzener KLM-Mitglieder wohnen nur einen Steinwurf vom Hotel entfernt. Obwohl Doris Sickau (»ich bin nur 1,82 Meter groß«) zu den kleineren im Klub gehört, klagt sie über immense Schwierigkeiten, denen große Mensehen im Alltag ausgesetzt sind: »In der Straßenbahn baumeln mir Handgriffe ins Gesicht. Hotelbetten sind oft so klein, daß wir die Matratzen rausreißen und auf der Erde schlafen müssen. Das sind Riesen-Probleme«, stöhnt die Laatzenerin. Wenn es darum geht, phantasievolle Lösungen zu finden, zeigt Hißbach Größe: Um seinen Computer nicht im Knien bedienen zu müssen, hat er seinen Schreibtisch um 15 Zentimeter aufgebockt. Seine Kollegen könnten ihn als Stehpult benutzen, sagt der gelernte Kaufmann. Seinen VW Golf mußte er mit einer verlängerten Sitzschiene ausrüsten, um überhaupt einsteigen zu können. Im Flugzeug reserviert er stets die Sitze am Notausgang, um Beinfreiheit zu haben. Und Schuhe in Größe 50, überlange Hosen oder Hemden mit 78 Zentimeter langen Ärmeln gibt es nur als teure Sonderanfertigungen. »Groß zu sein, ist ein teures Hobby«, scherzt der 39jährige, der gelernt hat, mit seinem Gardemaß umzugehen. Das sei nicht immer so gewesen: Als Kind habe man ihn gehänselt und beim Handballspielen mit Gleichaltrigen habe er immer den Ball ins Gesicht bekommen. Mit 15 fand Hißbach dann endlich Anerkennung: Er wurde Mitglied in einem Basketball-Verein und avancierte prompt zum Nationalspieler. Vor acht Jahren wurde er Mitglied beim KLM. Dessen einzige Aufnahmebedingung: Frauen müssen mindestens 1,80 Meter messen und Männer wenigstens noch zehn Zentimeter größer sein. Im Klub lernte er auch seine heutige Verlobte kennen. Mittlerweile gibt er sich gelassen, wenn er auf sein Gardemaß angesprochen wird: »Lieber groß und gesund als klein und krank«, grinste der 2,08-Meter-Mann. |
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| 40 Jahre Langenklub | ||
| Der Klub langer Menschen (KLM) wurde auf Bundesebene vor rund 40 Jahren gegründet. Damals war es das vorrangige Ziel des Vereins, Steuervergünstigungen für Großwüchsige durchzusetzen. Der politische Vorstoß scheiterte, aber als Interessen- und Nothilfegruppe blieb der KLM weiterhin bestehen. Die bundesweit 3500 Mitglieder tauschen miteinander Adressen von Geschäften aus, die Kleider oder Möbel in Übergrößen anbieten. Es sei eine Schande, daß die EU ihre Normen für Kleider- und Möbelgrößen künftig | stärker an den in der Regel kleinen Südländern ausrichten wolle, macht die Laatzenerin Doris Sickau ihrem Unmut Luft. Außerdem hilft man sich im Klub gegenseitig bei gesundheitlichen Problemen weiter. Große Menschen sind besonders häufig von Herz- und Gelenkkrankheiten betroffen. Etwa viermal jährlich erscheint im 130 Mitglieder zählenden Bezirksverband Hannover-Braunschweig das Vereinsblatt »Leinelatten-Echo«. Informationen zu den regelmäßigen Treffen erteilt Bezirksleiterin Michaela Serbent unter (0511) 75 54 61. | |
© KLM Hannover · Stand: 7. März 2002