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Frauen reichen Langem nicht mal bis zum Hals |
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Neue Presse, Hannover, 19. März 1999 · Autor: Katrin Schreiter |
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| Von A wie Aids bis Z wie Zahnmetallschäden Kibis-Kiss bietet bei vielen Problemen Hilfe, Die Kartei der Kontakt-, lnformations- und Beratungsstelle in der Region enthält knapp 300 Gruppen, Arbeitskreise, Initiativen und Verbände. Die NP stellt Gruppen in loser Folge vor. Heute: der Klub langer Menschen. | |
HANNOVER. Es hat Wochen gedauert, bis Robin Giese eine Fahrschule fand: »Ich paß einfach in kein Auto!« Der 2,08-Meter-Mann hebt hilflos die Hände. »Immer das gleiche Problem. Der Sitz läßt sich nicht weit genug nach hinten schieben, die Beine stoßen ständig ans Steuer, und die Kopfstütze klemmt irgendwo im Nacken.« Wer so groß ist wie Giese, dem scheint die Welt tagtäglich zu klein geraten. Kaum eine Tür, durch die er aufrecht laufen und kaum ein Hotelbett, in dem er ausgestreckt schlafen kann. Bei Regen muß Giese sein Gesicht vor fremden Schirmen schützen. Und wenn der sympathische junge Mann im Kino sitzt, stöhnts aus den hinteren Reihen: »Können Sie sich nicht kleiner machen?« Auch die Frauen reichen Giese oft nicht einmal bis zum Hals. Und wenn doch eine annähernd auf seine Höhe kommt, schaut der 19jährige ihr nicht etwa in die Augen, sondern erst einmal auf die Füße. »Die meisten tragen Plateauschuhe.« Für große Frauen dagegen sind hohe Schuhe im Alltag kein Thema umso mehr Hosen, Pullover und Blusen: »Meine Mutter hat mir meine Sachen als junges Mädchen immer bei C & A in der Herrenabteilung gekauft«, erinnert sich Antje Torlage, die mit 13 Jahren schon 1,81 Meter groß war. »Ich habe es gehaßt, wenn ich dort in der Kabine eine Hose nach der anderen probieren mußte.« Heute mißt die 29jährige zwar noch elf Zentimeter mehr das Problem mit der Kleidung aber hat sie besser im Griff. Sie löst es mit anderen Frauen aus dem Klub langer Menschen. Mit ein oder zwei Autos fahren die Leidensgenossinnen an so manchem Sonnabend nach Hamburg zum Einkaufen: »In Hannover ist das Angebot schlecht und teuer«, erklärt Antje Torlage. Zuzahlen müssen die Langen sowieso schon, da solls wenigstens schick sein. Der Klub langer Menschen als Zweckgemeinschaft auch in anderen Fragen bietet der Verein Lebenshilfe: Wo gibt es passende Matratzen? Wann sind wachstumshemmende Hormone sinnvoll? Oder wer bietet umgebaute Küchen an? Und es wird hier und da am Selbstbewußtsein gearbeitet: »Großsein hat nicht nur Nachteile. Wir brauchen beim Deckestreichen keine Leiter und haben im Open-Air-Konzert immer den Überblick«, freut sich Robin Giese. »Früher hab ich mich immer geärgert wenn jemand »Bohnenstange« zu mir gesagt hat, oder »Wie ist die Luft da oben?« Antje Torlage lächelt heute nur müde über die oft bemühten Witze. Und wenn es total nervt, gibt es darauf die Antwort: »Danke, nicht so schlecht wie am Auspuff.« Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich die Langen in Hannover am Stammtisch und sie planen jede Menge Freizeitaktionen: vom Kochkurs bis zum Tanzabend, Grillfest und Theaterbesuch. |
© KLM Hannover · Stand: 7. März 2002